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03180 - Château Le Marais

03180 - Château Le Marais

  • Bestellnummer: 03180
  • Autor: Alexandre Gisiger 
  • Sprache: d/F 
  • Schwierigkeitsgrad: einfach
  • Anzahl Bogen:   3.5 A4
  • Anzahl teile:         49
 
 
Château Le Marais 
 
Die Landschaft Le Marais, wo einst die Burg der Huraults stand, von der nur die Wassergräben und der Turm (den man beim Betreten der links aussen liegenden Nebengebäude des heutigen Schlosses sieht) übriggeblieben sind, gehörte Sully, der ein berühmter Minister Heinrichs IV. war und dort seinen prächtigen Wohnsitz hatte.

Ein zweites, 1623 erbautes Schloss, das sich links des heutigen Schlosses befand, diente später als Gesindewohnung.

Ende des 18. Jahrhunderts, im Jahre 1778, liess Le Maistre, Oberschatzmeister der Artillerie nd der Genietruppen, das heutige Schloss erbauen — übrigens das schönste der Ile-de-Erance und eines der prächtigsten der Welt für jene Zeit —, und zwar durch den Architekten Barre, dessen geistreiche Eleganz und Neigung zur Perfektion sich in ändern Werken wiederfinden: im Schloss von Montgeoffroy, im Flügel Ludwigs XVI. des Schlosses von Le Lude sowie im einst prachtvollen Hotel Grimod de la Rey-niere auf der Place de la Concorde, das dem amerikanischen Botschaftsgebäude weichen musste.

Der Nichte von Le Maistre, Madame de la Eriche, fiel Le Marais als Erbschaft zu. Gütig und gastfreundlich und von ihren Bauern geliebt, überstand sie schadlos die Revolution. Während vierzig Jahren war ihr Schloss Mittelpunkt intellektueller und politischer Ausstrahlung, wo von Florian bis Chateaubriand, von Mar-montel bis Sainte-Beuve (der sich im Dorf ein kleines Haus erstand, das man noch heute hinter den Gittern des Schlosses sehen kann) die interessantesten Persönlichkeiten dieser bewegten Epoche ein-und ausgingen. Wellington und Pozzo di Borgo, damals beide Botschafter in Paris, der Herzog von Richelieu, Oberhaupt der Regierung, der auch Graf Mole angehörte, Schwiegersohn von Madame de la Eriche, befanden sich gelegentlich ebenfalls unter den zahlreichen Besuchern.

Dann ging das Schloss in den Besitz der Tochter von Madame de la Eriche, der Gräfin Mole, über, deren Gatte Präsident des Staatsrates unter Louis-Philippe wurde, nachdem er Minister Ludwigs XVIII. gewesen war.

Im Jahre 1899 erwirbt die Herzogin von Talleyrand das Schloss. Nach der deutschen Besetzung werden Restaurationsarbeiten in Angriff genommen, die von ihrer Tochter und heutigen Besitzerin weitergeführt werden.

Was die Architektur anbelangt, ist vor allem bemerkenswert, auf welch glückliche Weise Barre die Landschaft mit-einbezogen hat: so die auf den Wasserspiegel und die Kanäle, die hinter dem Gebäude die Wassergräben fortsetzen, abgestimmten Proportionen des Schlosses, der geheimnisvolle Säulengang itali-nischen Stils, die harmonische Schlichtheit der Fassaden gegenüber den Gärten, die Vollkommenheit, mit der Bandgesimse und Friese durch den berühmtesten Bildhauer jener Zeit gestaltet wurden, die elegante Geschicklichkeit, mit der die Nebengebäude mit dem Schloss durch eine kleine gedeckte Brücke mit Glasverschlag verbunden sind.

Dies alles macht aus Le Marais ein Meisterwerk sowohl der Intelligenz als auch der französischen Kunst,Park und Museum des Schlosses Le Marais stehen vom 1. März bis Allerheiligen sonntags und an Feiertagen von 14 bis 18 Uhr den Besuchern offen.

 

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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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