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H-665 - Sonnenuhr-Kruzifix 1529

H-665 - Sonnenuhr-Kruzifix 1529

  • Bestellnummer: H-665
  • Autor: Georg Hartmann 1529 (1489-1564) aus Nürnberg
  • Schwierigkeitsgrad:  1
  • Selbständige Einzelteile: 1
  • Anzahl Bogen: 1
  • Größe: 114 x 40 x 170 mm
  • Sprache: d
  • Massstab:
 
Sonnenuhr-Kruzifix
Holzschnitt auf Karton

Reprint des ältesten bekannten Modellbaubogens. Das Original stammt aus dem Jahr 1529. Es befindet sich heute in der Graphischen Sammlung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg.

Informationen zu Entstehung und Entdeckung dieses Modellbaubogens finden sie im Artikel "Ein Sonnenuhrkruzifix von Georg Hartmann (1489-1564) aus Nürnberg", veröffentlicht im Heft 4 "Zur Geschichte des Kartonmodellbaus".

Reprint herausgegeben vom Arbeitskreis Geschichte des Kartonmodellbaus (AGK) e.V.


Aus der Graphischen Sammlung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg (Inv. Nr. H 665, Kapsel 8)

Der Theologe, Mathematiker und Feinmechaniker Georg Hartmann aus Nürnberg wurde am 9. Februar 1489 im fränkischen Eggolsheim bei Forchheim geboren und verstarb am 9. April 1564 in Nürnberg. Von 1506 bis ungefähr 1510 studierte er Mathematik und Theologie in Köln. Nach einer Italienreise war Hartmann ab 1518 Vikar an der Kirche St. Sebaldus in Nürnberg. Daneben beschäftigte er sich mit dem Bau von Messinstrumenten, hauptsächlich Sonnenuhren und Astrolabien. 1526/27 verfasste er das Lehrbuch Fabrica horologiorum". Auch pflegte er Kontakt zu vielen Gelehrten und interessierten Fürsten seiner Zeit. 1529 konstruierte er den ersten heute bekannten Modellbaubogen.

Die lateinische Inschrift auf dem Boden des Kruzifixes lautet: Nos autem gloriari oportet in / cruce domini nostri lesu Christi, in quo / est salus, vita et resurrectio / nostra, per quem salvati et liberati / sumus. / Georgius Hartmann faciebat / Noremberge Anno obsidionis." Was übersetzt bedeutet: Uns aber gehört es zu rühmen das Kreuz unseres Herrn Jesu Christi, in welchem unser Heil, Leben und Auferstehung liegt. Durch den wir erlöst und befreit worden sind. Georg Hartmann aus Nürnberg machte es im Jahr der Belagerung." Als Jahr der Be­lagerung" kann 1529 angenommen werden. Soliman der Prächtige belagerte damals Wien, und konnte durch die Truppen von König Ferdinands I. (1503-1564) wieder nach Ungarn abgedrängt werden.

Georg Hartmann hatte den Modellbaubogen von einem Holzschnitt auf Büttenkarton, bestehend aus zwei aufeinander geklebten Papieren, gedruckt. Er wählte eine Konstruktion, bei der alle Teile zusammenhängen. Es ist zu bewundern, wie ihm dies gelungen ist. Denn, was als Ergebnis nun so nahe liegend scheint, ist wohl das Resultat unzähliger Versuche. Auch dass die Flächen des Kreuzfußes und der Kreuzarme mitsamt den Klebelaschen sich nur gerade berühren, zeigt, dass er das Konstruieren wirklich beherrscht hat. Die gewählte Anordnung der Teile erlaubt einen einfachen Zusammenbau; eine Bauanleitung ist nicht notwendig. Dort wo zwei Teile aneinander stoßen, die voneinander getrennt werden müssen, befindet sich eine Linie mit senkrecht darauf stehenden kleinen Strichen. Die Falzrichtung ist nicht durch unterschiedliche Linien bezeichnet. Wenn der verwendete Karton gerillt wird, ist dies auch von untergeordneter Bedeutung. Einzig die beiden Klebelaschen links und rechts auf Höhe vom Kopf des Evangelisten Markus sind nach vorn zu falten, alle anderen Teile nach hinten. Zeichnung und Konstruktion sind sehr genau. Das Kreuz lässt sich problemlos und passgenau zusammenbauen. Hartmann muss als Konstrukteur und Modellbauer erfahren gewesen sein.

Beim Aufstellen muss die Sonnenuhr zunächst mit einem Kompass in Nord-Südrichtung, auf einer waagrechten Fläche ausgerichtet werden, wobei das Kruzifix nach Norden zeigt. Dann wird das Kreuz soweit nach Süden gekippt, dass die Kanten des Kreuz-Querbalkens parallel zur Erdachse, d. h. Richtung Polarstern zeigen. In Nürnberg z. B. beträgt dieser Aufstellwinkel 90°- 49° = 41°. Die Kanten der Schmalseite des Kreuzes sind Richtung Polarstern zeigend die Schattenwerfer. Man liest die Ziffer (zum Beispiel 11.00 Uhr), auf die das Schattenende des Schattenwerfers (= Querkante) fällt, ab und hat somit die so genannte Wahre Ortszeit" (WOZ). Sie zeigt auf allen Sonnenuhren des gleichen Längegrades die gleiche wahre Ortszeit an. Dies genügte damals zur Zeitablesung, bis man Ende des 18. Jh. mit Hilfe genau gehender Pendeluhren erkannte, dass Sonnenuhren im Lauf eines Jahres bis zu 16 Minuten vor- oder nachgehen können. Mit Hilfe einer Zeitglei­chungstabelle, die diese Korrekturwerte für jeden Tag anzeigt, kann dies ausgeglichen werden. Zusätzlich muss sie auf die entsprechende Zonenzeit umgerechnet und allenfalls die Sommerzeit berücksichtigt werden. Am Boden der Kruzifix-Sonnenuhr ist neben der lateinischen Inschrift ein Winkelmesser als Aufstellhilfe angebracht. Man kann diesen nach dem Ausschneiden entsprechend dem Breitengrad eines beliebigen Aufstellungsortes (für Nürnberg bei 49°) umknicken und mit Daumen und Zeigefinger halten. Außerdem wird in Form eines kleinen Zeigers die damalige Kompassabweichung von 10° gegen Osten angezeigt.

Für umfassende Informationen siehe: Ludwig Engelhardt, Constanze Lindner Haigis und Dieter Nievergelt: Ein Sonnenuhrkruzifix von Georg Hartmann (1489-1564) aus Nürnberg. In: Zur Geschichte des Kartonmodellbaus, Heft 4, Hamburg 2004, S. 11-16.

Constanze Lindner Haigis und Dieter Nievergelt

Reprint herausgegeben vom Arbeitskreis Geschichte des Kartonmodellbaus (AGK) e.V.

 

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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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