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M002  - Schloss Wildegg - Le Château de Wildegg

M002  - Schloss Wildegg - Le Château de Wildegg

  • Bestellnummer: M002
  • Autor: Stehli Frères
  • Schwierigkeitsgrad:  1
  • Selbständige Einzelteile: 1
  • Anzahl Bogen: 1
  • Größe:  42.5 x 30.5 cm 
  • Sprache: d
  • Massstab:
 
Le Château de Wildegg - Schloss Wildegg - The Castle of Wildegg
 

Vierfarben-Offsetlithographie

l Bogen 42.5 x 30.5 cm.

Stehli Freres, Editeurs / Gebrüder Stehli, Kunstverlag, Zürich 1940

Aus der Sammlung WDN

Gegründet wurde die Stehli Freres 1902 in Genf durch die drei aus Töss bei Winterthur (Schweiz) stammenden Brüder Edwin (1861-1940), Otto (1862-1951) und Oscar (1878-1952.) Stehli als Unternehmen zum Handel mit Waren aller Art. Dazu gehörten Parfüms so gut wie Handharmonikas. Durch den Kauf einer großen Menge Chromolithographien der Firma Vouga erwachte das Interesse an Kunstreproduktionen. 1908 wurde der Sitz nach Zürich verlegt und die Firma als Kunstverlag etabliert. Mit weltweiten Beziehungen und höchster Qualität der Reproduktionen gehörte die Firma bald zu den 20 größten Verlegern von Wandbildern, Postkarten, Glückwunschkarten und Bildkalendern. Der Zweite Weltkrieg schränkte den wichtigen Export, vor allem in die USA, stark ein. Mit Modellbau- und Aufstellbogen, Ankleidepuppen und Malbüchern wurde ein Ausgleich im Inland gesucht. 1952 entstand aus dem Familienunternehmen die Stehli Freres S. A. / Gebrüder Stehli A. G. Nach sehr erfolgreichen Jahren zwangen die globalen Marktverhältnisse den Geschäftsleiter Max R. Scherler (* 1933) im Jahr 1998 zur Geschäftsaufgabe

Erste Modellbaubogen erschienen wohl 1940. Eine neue Serie entstand nach 1952. Die Konkurrenz des Pädagogischen Verlages des Lehrervereins Zürich mit seinem idealen Vertriebssystem über die Schulen und dem unschlagbaren Preis von damals l- Franken pro Bogen, ließ die Produktion gegen 1960 auslaufen. Die Modelle sind sorgfältig konstruiert und weisen eine lebendige Binnenzeichnung auf. Mit den eher kräftigen Farben und der einfachen Konstruktion sollten Kinder und Jugendliche angesprochen werden. Gedruckt wurden die Modellbogen vom Art. Institut Orell Füssli Zürich.

schloss wildegg, möriken-wildegg, kanton aargau, schweiz. Die weithin sichtbare Anlage befindet sich auf einem Ausläufer des Kestenbergs. Die ältesten Teile entstanden in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts gemeinsam mit Schloss Brunegg als Vorwerk der Habsburg. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel gelangte die Burg 1484 an den Berner Burger Caspar Effinger von Brugg und verblieb anschließend über 400 Jahre Wohnsitz der gleichen Familie. Die mittelalterliche Burg wurde schrittweise in einen herrschaftlichen Patriziersitz umgewandelt. Bündig an den mächtigen Bergfried angebaut ist der Palas. Nach einem Brand wurde letzterer 1552 erhöht und um 1700 mit frühbarocken Rollwerkgiebeln versehen. Talseitig dem Bergfried vorgesetzt ist das Ökonomiegebäude unter einheitlichem Pultdach. Der Weg zum Schloss ist in der Art wehrhafter Burgzugänge gestaffelt. Ein erstes Tor öffnet sich in den einstigen äußeren Burghof.

Das Modell zeigt den Zustand des Schlosses vor dem durch einen Blitzschlag verursachten Brand von 1552, bei dem nicht viel mehr als die Umfassungsmauern stehen blieben.

Dieter Nievergelt

Reprint herausgegeben vom Arbeitskreis Geschichte des Kartonmodellbaus (AGK) e. V.

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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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