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450 - Ankleidefigur - Mädchen und Junge in Rokoko-Kostümen ca. 1923

450 - Ankleidefigur - Mädchen und Junge in Rokoko-Kostümen ca. 1923

  • Bestellnummer: M450
  • Autor: Neuruppiner Bilderbogen
  • Schwierigkeitsgrad:  0
  • Selbständige Einzelteile:
  • Anzahl Bogen: 1
  • Größe:  33.9 x 41.8 cm 
  • Sprache: d
 
 

Ankleidefigur - Mädchen und Junge in Rokoko-Kostümen ca. 1923

Fünffarben-Zinkdruck
l Bogen 33,9 x 41,8 cm
Oehmigke & Riemschneider Lithographische Druckerei und Verlag, Neuruppin um 1923
Aus der Grafischen Sammlung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek,
Leipzig (1986/B 147)

Philipp Johann Oehmigke (1807-1858) besaß eine Buchhandlung in Berlin, als er 1828 in Neuruppin eine Filiale eröffnete. 1831 trat der Buchhändler Arnold Hermann Riemschneider (1806-1856) als Teilhaber ein. Nach der Einrichtung einer lithographischen Anstalt im September 1835 wurden die ersten Bilderbogen herausgegeben. Die Bogen wurden fortlaufend nummeriert.

Wie bei allen Produzenten üblich, erschienen gleiche Motive mit unterschiedlichen Druckverfahren unter gleicher Nummer. Für Weihnachtskrippen, Modellbogen und Schneidebilder fanden um und nach 1900 Sondernummern unter 1000 Verwendung.

Nach 1858 führte Alfred (1832-1871), der Sohn von Philipp Johann Oehmigke, die Firma weiter. 1865 wurden die Lithosteine der Firma F. W. Bergmann übernommen. Nach dem Tod von Alfred Oehmigke gingen Druckerei und Verlag an den Buchdruckereibesitzer Eduard Buchbinderund den Kaufmann und Rentier Mootz, ab 1877 an dessen Söhne Gustav und Emil Mootz und deren Nachfahren bis 1953. Ab 1953 verstaatlicht, wurde das Unternehmen als VEB Papierverarbeitungswerk Neuruppin, Buch- und Offsetdruckerei weitergeführt.

Mit der Aufhebung der Kleidervorschriften im ausgehenden 18. Jahrhundert erwachte das Interesse für die Kleidermode, was die Darstellung künftiger Modeströmungen interessant machte. Um 1780 entstanden verschiedene Modejournale mit immer reicheren Tafelbeilagen. Bald gab es auch fertig ausgeschnittene Papierdamen mit ihren Toiletten in Schubern und Schachteln zu kaufen. Das „Journal des Luxus und der Moden" vom November 1791 empfahl der Damenwelt eine Anziehpuppe unter der Bezeichnung „Englische Puppe". Im Januar 1793 empfahl der Kupferstecher und Spielzeughändler Johann Ludwig Stahl (1759-1835), Breite Gasse in Nürnberg, neben seiner weiblichen auch eine männliche Anziehpuppe mit modischer Toilette. Nach 1830 erlebte der Ausschneidebogen mit Ankleidefiguren, die von einer reichen Garderobe und der eindrucksvollen Vielzahl damals unerlässlichen Beiwerks umgeben waren, eine Blütezeit. Aber bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts verloren die papierenen Ankleidepuppen ihre Funktion als Modevermittlerinnen wie­der. Als Modelle dienten nun berühmte Tänzerinnen, Schauspielerinnen und Sängerinnen; später auch die gekrönten Häupter. Seit etwa 1920 stellen Anziehpuppen mehrheitlich Kinder dar.

Der Bogen zeigt zwei Kinder in Rokoko-Kostümen. Die Kleider sind etwas vereinfacht und der Mode der 1920er Jahre angepasst. Der Rokokostil erlebte damals ein Revival im Film, großbürgerlichen Innenräumen, Kostümen im Theater und auf Bällen.

Dieter Nievergelt
Reprint herausgegeben vom Arbeitskreis Geschichte des Kartonmodellbaus (AGK)
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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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