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420 - Zytgloggeturm Bern

420 - Zytgloggeturm Bern

  • Bestellnummer: 420
  • Autor: Hansruedi Obi
  • Schwierigkeitsgrad: ab 10 J.
  • Selbständige Einzelteile: 1
  • Sprache: d
  • Massstab:

Der Zytgloggeturm ist heute noch ein markantes, wuchtiges Wahrzeichen der Stadt Bern. Tausende von Besuchern bewundern jedes Jahr die verschiedenen Uhren an seinen Fassaden. Besondere Aufmerksamkeit erhalten die Kalenderuhr und der Spielerker mit den vorbeimarschierenden Bären. Im Tordurchgang sind vier Bilder von 1610 zu sehen: Sie stellen Szenen aus der Gründungsgeschichte Berns dar und berichten über den Bau (1191) und die Namengebung der Stadt. Ganz oben in der Turmspitze glänzt ein Ritter in goldener Rüstung. Das ist Hans von Thann, der mit einem Hammer die Stunden schlägt.

Ursprünglich gehörte dieser Turm zur Stadtbefestigung. Als zentrales Tor schützte er mit der beidseitig anschliessenden Mauer die Stadt gegen Angriffe von Westen. Diese Aufgabe erfüllte er zwar nicht lange: Die Stadt vergrösserte sich sehr rasch und wurde nach wenigen Jahrzehnten gegen Westen hin erweitert. Dort entstand ein neuer Torturm, der Käfigturm. Dasselbe passierte etwas später nochmals, als beim heutigen Bahnhof der 1865 abgebrochene Christoffelturm gebaut wurde.

1405 ereignete sich in Bern eine Katastrophe: In einer gewaltigen Feuersbrunst verbrannte fast die gesamte Stadt. Auch der Zytgloggeturm brannte aus. Er wurde wieder aufgebaut und erhielt dabei eine erste Turmuhr und seinen Namen. Die heutige Kalenderuhr und das Erkerspiel konnten 1530 eingeweiht werden. Im Laufe der Zeit hat sich die Form und das Gesicht des Zytgloggeturms gewandelt. Dies wird besonders deutlich, wenn man die wichtigsten Stationen in dessen Leben nebeneinanderstellt.

Auch die unmittelbare Umgebung des Turmes hat sich verändert. So verschwanden nach 1405 die Stadtmauern. An ihrer Stelle wurden Wohnhäuser aufgebaut. Auf der Südseite schliessen die Häuser direkt an den Turm an, weshalb diese Seite unseres Modelles leer ist. Auf der Nordseite liess man einen Durchgang offen, so wie er heute noch besteht. Die Fassaden trugen im Laufe der Zeit ebenfalls verschiedene Bilder. Sie spiegelten jeweils den Geschmack der Zeit und wurden später wieder mal modernisiert. So malte Viktor Surbeck 1930 das Fresko der Westwand, den «Beginn der Zeit» darstellend. Das heutige Aussehen erhielt der Zytglogge anlässlich der letzten Restaurierung in den Jahren 1981-83. Heute strahlt dieses unverwechselbare bernische Wahrzeichen in neuem Glanze im Zentrum der historischen Altstadt.

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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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