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00581 - Villa Braun in Metzingen

00581 - Villa Braun in Metzingen

  • Bestellnummer: 00581
  • Autor:
  • Schwierigkeitsgrad: 2
  • Selbstständige Einzelteile: 1
  • Anzahl Bogen:  5.5
  • Sprache: d
  • Massstab: 1 : 87
  • Länge 18 cm
  • Breite 24 cm
  • Höhe   32 cm

Villa Braun in Metzingen
 
Als der Bauherr Carl Braun sen. im Jahr 1893 die Pläne für seine neue Villa erstellen ließ, war klar, dass er den Neubau nicht selbst beziehen würde. Der Tuchfabrikant baute vielmehr für seine beiden Söhne Carl und Johannes, die mit ihren Familien je eine Etage in dem repräsentativen Bau beziehen sollten. Fünf geräumige Zimmer wurden für jede der beiden Familien eingeplant, ein großzügiger Dielenraum, geflieste Küchen und Bäder. Stuckdecken entsprechen dem Stand des Fabrikanten, der seine Villa äußerlich an die Backsteinfassaden seiner Fabrikgebäude anpassen ließ. Wunderschön ins Glas geätzte Monogramme der Wohnungsinhaber sind am Eingang jeder Etage zu finden. Ein Novum in der süddeutschen Kleinstadt Metzingen war, dass auch schon elektrischer Strom in allen Zimmern vorgesehen wurde. Möglich war dies durch das kleine firmeneigene Wasserkraftwerk. Dabei nahm man gern in Kauf, dass die Wasserkraft nicht immer gleichmäßig Strom lieferte. Da konnte es schon mal geschehen, dass Johannes Braun abends die Zeitungslektüre unterbrechen musste, weil das Licht nicht mehr ausreichte. Die Möblierung entsprach dem Standard: aus massiver Eiche gefertigt, waren die Möbel selbstverständlich durchgehend Schreinerarbeiten, speziell gefertigt für die Villa Braun. Im Esszimmer beispielsweise ein herrschaftlicher Tisch von 1,20 x 1,60 m Größe, der durch bis zu sieben Einlegebretter zu einer Größe ausgezogen werden konnte, dass auch 20 Personen bei entsprechenden Einladungen an einer Tafel Platz nehmen konnten. Gebaut wurde mit großer Sorgfalt und Liebe zum Detail, die in der vielfältigen Fassadengestaltung sichtbar wird: farblich abgesetzte Friese, Blenden aus getriebenem Metall an den Oberlichtern der Fenster, vielfältige Schmuckelemente aus Stein und Metall. Für die Dachkonstruktion wurden starke Eichenbalken verwendet, die auch ein Jahrhundert schadlos überdauert haben - ohne die heute übliche Schutzimprägnierung. Die metallene Fahne auf der Spitze des Turms trägt die Initialen des Bauherrn: CB. Geheizt wurde in jedem Stockwerk mit wunderschön gestalteten Kachelöfen aus kunstvoll gearbeitetem keramischem Material. Parkettböden waren selbstverständlich. Einfacher war die Ausführung im Dachgeschoss, das nicht nur Abstellräume, sondern auch Zimmer für die Dienstmädchen beherbergte. Aber auch hier waren schöne Dielenböden vorgesehen, die bis heute in gutem Zustand sind. Als sie gebaut wurde, hatte die Villa eine exponierte Lage: einen halben Kilometer entfernt vom Ort und in gebührendem Abstand zu den Fabrikanlagen stand sie in einem großen Garten mit eisernem Zaun. Auf der Straße vor dem Haus war noch kein nennenswerter Verkehr. Die modernen Zeiten nahmen leider viel weg: Der Garten vor dem Haus fiel Stück für Stück dem Verkehr zum Opfer: Die Straße wurde zur Bundesstraße und entsprechend verbreitert, Geh- und Radwege kamen dazu und forderten immer wieder ein Stück Land. Der Ort breitete sich aus, sodass die Bebauung heute rund um das Anwesen geschlossen ist. Der Verkehr ist zu jeder Zeit sehr stark In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg kam mit dem Niedergang der deutschen Textilindustrie, die auch zum Konkurs der Firma Braun führte, auch eine schwere Zeit für die Villa Braun. Keine Familienangehörigen wohnten mehr darin, das Bewusstsein für den ideellen Wert des Bauwerks war kaum mehr vorhanden. Gleichzeitig waren die Installationen nicht mehr auf der Höhe der Zeit, die besondere Architektur verschlang hohe Instandhaltungsaufwendungen, die aus den Erträgen des Bauwerks nicht mehr gedeckt werden konnten. Zu dieser Zeit fanden auch Mieter kaum Gefallen an dem alten Gemäuer. So mussten Renovierungen weitgehend unter Kostengesichtspunkten geplant werden, und man war gezwungen eine Tankstelle auf dem Grundstück zu errichten um Einnahmen zu erzielen. Erst in den Achtziger Jahren kam die Wende für die Villa Braun: Ein Ururenkel des Bauherrn begann Stück für Stück zu renovieren und zu sanieren, wobei immer wieder die Balance gefunden werden musste zwischen modernen Wohnansprüchen und Interessen des Denkmalschutzes. Zum Beispiel wurde eine energiesparende Zentralheizung eingebaut mit Sonnenkollektoren zur Warmwasserbereitung. Die Kollektoren wurden aber so auf der Dachterrasse installiert, dass sie unsichtbar bleiben. Eins scheint allerdings das 21. Jahrhundert unwiederbringlich weggefegt zu haben: Das sind die vielbeschworenen Spukgeschichten, die sich um die Villa Braun rankten: Da war der schwarze Pudel, der durch die offene Haustür kam, schnurstracks alle Treppen bis ins Dachgeschoss sprang, dort dreimal den Tisch umkreiste um sogleich das Haus auf demselben Weg wieder zu verlassen. Überflüssig zu bemerken, dass das Tier nie zuvor und danach wieder im Ort gesehen wurde und der Vorfall Unheil brachte. Da war auch die Hausbewohnerin, die Kontakte zum Jenseits hatte. Sie soll in diesen Fällen mit völlig veränderter, unnatürlich tiefer Stimme gesprochen haben. Und dann gab es auch noch ein Zimmer - wieder im Dachgeschoss - das eines Tages merkwürdigerweise verschlossen war. Es musste aufgebrochen werden, denn die Tür hatte kein Schloss, nur innen einen Riegel, der vorgeschoben war. Unerklärlicherweise waren in dem Raum auch die Fenster fest verschlossen, sodass wohl schon ein Geist die Tür von innen verriegelt haben muss, der durch die Ritzen entweichen konnte.
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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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