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00650 - Der römische Gutshof Villa Rustica

00650 - Der römische Gutshof Villa Rustica

  • Bestellnummer: 00650
  • Autor: 
  • Selbstständige Einzelteile: 1
  • Sprache: d
  • Schwierigkeitsgrad: 1
  • Anzahl Bogen:  4
  • Massstab: 1 : 87
  • Länge  37 cm
  • Breite  19 cm
  • Höhe    07 cm

 
Der römische Gutshof (villa rustica) von Straubing–Alburg
 
Um die Versorgung in den Kastellen und Lagerdörfern am Limes sicherzustellen, entstanden in ihrem Hinterland zahlreiche Gutshöfe. Ihre auf Überschuss angelegte Produktion umfasste Ackerbau, Viehzucht, Gemüse- und Obstanbau. Mittelpunkt jedes Betriebs war das Hauptgebäude. Daneben gab es je nach Größe der Anlage noch Stallungen, Speicher, Schuppen und weitere Baulichkeiten zur Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte. Stets war auch ein frei stehendes oder in das Hauptgebäude integriertes Bad für die Bewohner vorhanden. Das Hofareal war von einer Mauer, einem Zaun oder einer Hecke umgeben.
Von den zahlreichen Gehöften im Hinterland des Kastellortes Sorviodurum (Straubing) ist die Alburger Villa am besten erforscht. Das Hauptgebäude wurde in großen Teilen ausgegraben, zahlreiche Keller in seinem Umfeld zeigen die Existenz weiterer Gebäude an. Obwohl auf Grund der guten Böden die villa rustica sicher auf Ackerbau spezialisiert war, belegen mehrere Brennöfen die Produktion von Ziegeln. Das ca. 1,5 ha große Hofareal und das repräsentative Hauptgebäude sprechen für einen stattlichen landwirtschaftlichen Betrieb. Er wurde im ausgehenden 1. Jahrhundert n. Chr. errichtet und bis ins 3. Jahrhundert hinein genutzt.
Das im Modell dargestellte Hauptgebäude gehört zum Typ der sog. „Risalitvilla“. An der Nordfront des Gebäudes befinden sich zwei Eckrisalite, die durch eine offene Säulenhalle verbunden sind und eine Terrasse flankieren. (Risalite sind Teile eines Gebäudes, die auf ganzer Höhe des Baus etwas vorspringen. Hier die Teile links und rechts der Grünanlage.) Durch die Säulenhalle gelangt man in einen offenen Innenhof mit Wasserbecken und Zisterne. Um den Hof sind mehrere Räumlichkeiten gruppiert. Der Haupteingang der Villa liegt an der schlicht gestalteten Südfront. Bei den Grabungen gefundene Wandmalereien und Fußbodenheizungen belegen eine komfortable Ausstattung.
Auf dem Hofareal wurde 1950 der weltberühmte „Römerschatz“ entdeckt. Dabei handelt es sich um einen Verwahrfund von Paraderüstungen, Waffen, Statuetten, Werkzeugen und Geräten. Am eindruckvollsten sind die Paraderüstungen mit ihren Gesichtshelmen, Beinschienen und Kopfschutzplatten für die Pferde. Die Stücke wurden möglicherweise im Kampf, bei turnierartigen Reiterspielen und bei festlichen Anlässen getragen. Der Straubinger Fund ist der bislang umfangreichste Komplex dieser Rüstungsgattung. Die Paraderüstungen sind – ebenso wie ein großes Modell der Alburger Villa – im Gäubodenmuseum Straubing zu besichtigen.

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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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