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00683 - Ritter Rudolf

00683 - Ritter Rudolf

  • Bestellnummer: 00683
  • Autor: 
  • Selbstständige Einzelteile: 
  • Sprache: d
  • Schwierigkeitsgrad: 2
  • Anzahl Bogen:  3
  • Massstab:
  • Länge   
  • Breite   
  • Höhe     25 cm


Ritter Rudolf

Das mittelhochdeutsche Wort „Ritter“ bedeutete zunächst schlicht „Reiter“ und wurde im Mittelalter als Bezeichnung für die schwer gerüsteten berittenen Krieger verwendet. In der Regel waren diese Ritter adlig.
Die ersten Ritter gab es im 8. Jahrhundert nach Kriegen gegen die Mauren in Frankreich. Sie sollten für eine bessere Verteidigung sorgen, weil das bis dahin übliche Volksheer nicht mehr ausreichte. Während Kriegen gegen Ungarn beschloss Heinrich I. auf dem Reichstag in Worms eine offizielle Ritterarmee. Das führte auch zu einem verstärkten Bau von Burgen. Bald war das Rittertum in ganz Europa verbreitet.
Die Abstammung von ritterlichen Vorfahren war im späten Mittelalter die Voraussetzung für die Aufnahme in den Ritterstand. Davon abgesehen, musste man aber auch entsprechende Merkmale und eine Ausbildung mitbringen. Es gab zwar auch Menschen, die wegen besonderer Verdienste zum Ritter geschlagen wurden, doch das war in den meisten Fällen eher mit Ordensverleihungen vergleichbar.
Um in den Ritterstand aufgenommen zu werden, wurde schon im Alter von sieben Jahren mit einer mehrjährigen Ausbildung als Page begonnen. Am Hof eines Fürsten lernte der zukünftige Ritter die Sitten und Umgangsformen und erhielt die damals übliche geistige und geistliche Bildung. Dabei standen Sagen, biblische Geschichten und Musik im Vordergrund. Lesen und Schreiben war dagegen noch nicht üblich. Auch auf körperliches Training wurde sehr viel Wert gelegt. Dazu gehörten der Unterricht im Reiten und im Gebrauch von Waffen. Im Alter von vierzehn Jahren begann die Ausbildung zum Knappen. Ein Knappe unterstand einem Ritter und musste ihm dienen. Nach bestandener Knappschaft erhielt er im Alter von einundzwanzig Jahren den Ritterschlag.
Eine Ritterrüstung bestand aus mehreren Schichten: Über der Unterwäsche aus Wolle oder Leinen trug der Ritter einen Kettenpanzer aus beweglichen Ringen. Darüber kam die Panzerung am ganzen Körper von Kopf bis Fuß und auch an den Händen. Zum Schutz des Gesichts hatte der Helm oft ein bewegliches Visier mit Luftlöchern. Mit Lanze, Schwert und Streitaxt kämpfte der Ritter und schützte sich mit dem Schild.
Im 14. Jahrhundert kamen die ersten Feuerwaffen zum Einsatz. Deshalb mussten die Ritterrüstungen massiver gebaut werden. Je weiter die Entwicklung neuer Waffen voranschritt, desto unbeweglicher wurden die Ritter. Oft mussten sie mit ihrer bis zu 25 kg schweren Rüstung von ihren Knappen auf das Pferd gehoben werden. Diese Rüstungen verwendete man daher ausschließlich bei Turnieren. Im Krieg kamen leichtere Rüstungen zum Einsatz. Das vorliegende Modell richtet sich nach Darstellungen aus dem 15. Jahrhundert.
Im Spätmittelalter wollten Fürsten und Könige unabhängiger von ihren Untergebenen sein und setzten Söldnerheere ein, zu denen auch gut organisierte Fußtruppen gehörten. Dadurch verlor die Ritterschaft an Bedeutung und wurde nach und nach verdrängt. Viele Ritter konnten sich den neuen Umständen anpassen und traten den Söldnereinheiten bei. Andere wurden aus wirtschaftliche Not zu Raubrittern.

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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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