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00758 - Schlosskirche Wittenberg

00758 - Schlosskirche Wittenberg

  • Bestellnummer: 00758
  • Autor: 
  • Selbstständige Einzelteile: 1
  • Sprache: d
  • Schwierigkeitsgrad: 2
  • Anzahl Bogen:    7.5
  • Massstab: 1 : 200
  • Länge:        38 cm
  • Breite:        18 cm
  • Höhe:         44 cm


Schlosskirche Wittenberg

Wenn die Evangelische Kirche dieses Jahr das Reformationsjubiläum feiert, steht auch die Schlosskirche im Mittelpunkt. Martin Luther hat nach einer Überlieferung vor 500 Jahren am Hauptportal seine 95 Thesen angeschlagen.

In unmittelbarer Nähe des Wittenberger Schlosses stand seit 1340 die Allerheiligenkapelle. Wegen Baufälligkeit ließ Kurfürst Friedrich der Weise 1489-1509 Schloss und Kapelle abreißen und ein neues Residenzschloss samt Kirche errichten. An Bau und Ausstattung waren berühmte Künstler wie Lucas Cranach der Ältere, Albrecht Dürer und Tilman Riemenschneider beteiligt. Die neue Schlosskirche wurde 1503 allen Heiligen geweiht und war ab 1507 Universitätskirche. Hier erhielten Studenten ihren Doktortitel. Akademische Würdenträger der Universität wurden hier beigesetzt.
Bekannt ist die Schlosskirche vor allem durch den Reformator Martin Luther. Er studierte ab 1508 in Wittenberg Theologie und wurde 1512 Doktor der Theologie. Später lehrte er an der Wittenberger Universität. Im Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther 95 Thesen gegen den Ablasshandel der Kirche. Nach einer Überlieferung schlug er sie am Hauptportal der Schlosskirche an. Nach seinem langjährigen Aufenthalt auf der Wartburg kehrte er oft nach Wittenberg zurück, um in der Schlosskirche zu predigen. Im Jahr 1525 führte man in der Schlosskirche den evangelischen Gottesdienst ein. Im gleichen Jahr starb Kurfürst Friedrich der Weise, ein großer Unterstützer Martin Luthers. Er wurde in der Schlosskirche beigesetzt. Auch die Gräber von Martin Luther und Philipp Melanchthon sind in der Schlosskirche zu sehen.
Die Schlosskirche Wittenberg war mehrmals von schweren Beschädigungen betroffen. Während des Siebenjährigen Krieges brannte sie bis auf die Grundmauern nieder. Zahlreiche Wertgegenstände wie auch die Thesentür im Hauptportal wurden dabei zerstört. Bei der Belagerung Wittenbergs durch die Preußen 1814 geriet der Neubau der Schlosskirche wieder in Brand. Die Preußen bauten daraufhin das Schloss zur Kaserne um. 1817 wurde die Universität nach Halle verlegt. Die Schlosskirche ging danach an das neu gegründete evangelische Predigerseminar. Im Jahr 1858 stiftete König Friedrich Wilhelm IV. eine neue Thesentür aus Bronze. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist die Kirche offiziell Denkmal der Reformation. Sie wurde zu der Zeit im neugotischen Stil umgebaut. Eine meterhohe Inschrift aus Mosaiksteinen unterhalb der neugotischen Turmhaube zeigt Worte aus dem von Luther verfassten Kirchenlied „Ein feste Burg ist unser Gott“.
1978-1992 war der bekannte Theologe Friedrich Schorlemmer Prediger an der Schlosskirche und Dozent am Predigerseminar. Er war Mitbegründer der Bewegung „Schwerter zu Pflugscharen“. Die DDR-Regierung verbot die Benutzung dieses Ausdrucks. Daraufhin schmiedete Schorlemmer bei einer Aktion auf dem Kirchentag in Wittenberg 1983 ein Schwert zu einer Pflugschar um. Von Oktober 1989 bis März 1990, zur Zeit der deutschen Wiedervereinigung, fanden in der Schlosskirche Gebetsgottesdienste „zur Erneuerung des Landes“ statt.
Zum 500. Geburtstag von Martin Luther wurden 1983 in die unteren Seitenfenster zwölf Glasbildnisse europäischer Reformatoren eingesetzt, die der Lutherische Weltbund in Auftrag gegeben hatte. Seit 1996 steht die Kirche auf der Welterbeliste der UNESCO. Bei einer Dachsanierung 1999-2000 griff man auf die Gestaltung im Jahr 1892 zurück, dabei erhielt die Kirche ein Dach aus farbig glasierten Ziegeln.

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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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